Kommentar zur Rede von Christian Wulff (Kreszentia Flauger, 04.10.10)

Das war eine typisch Wulffsche Entschieden-sowohl-als-auch-Rede mit vielen wohlklingenden Worten und wenig konkreten Vorstellungen.

Natürlich ist es zu begrüßen, wenn der Bundespräsident sich zur kulturellen Vielfalt in Deutschland bekennt und feststellt, dass der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehört, aber er relativiert das auch gleich wieder. Wenn er das "Verharren in der Staatshilfe" und "Bildungs- und Leistungsverweigerung" kritisiert, als seien das Ursachen und nicht Folgen einer verfehlten Gesellschaftspolitik, dann sagt das mehr über ihn als über die, die er kritisiert.

Wulff lobt richtigerweise Recht den Mut der Menschen in der ehemaligen DDR, als sie 1989 für ihre Freiheit gekämpft haben, zeigt ihnen aber außer ästhetischen Redewendungen keine Perspektive auf. Er sagt mit keinem Satz, was denn zu tun wäre, um die niedrigeren Ostlöhne zu steigern oder die Entvölkerung ganzer Landstriche aufzuhalten. Mit schönen Worten ist den Menschen dort noch nicht geholfen.

Es ist einfach unglaubwürdig, wenn Wulff das Schließen von Rissen in unserer Gesellschaft fordert und gleichzeitig nur schlecht verhüllt die Mär vom weit verbreiteten Sozialschmarotzertum befördert. Er spricht von "denjenigen, die unseren Gemeinsinn missbrauchen", davon, dass Eltern ihren Kindern sagen sollen "Strengt Euch an", davon, dass zuviel Gleichheit die eigene Anstrengung ersticke. Völlig weltfremd tut er so, als seien Arbeitslosigkeit und Angewiesensein auf staatliche Leistung Folge der Faulheit der Betroffenen.