Politik muss sich einmischen –
Anfrage zur geplanten Schließung der letzten geburtshilflichen
Station im Landkreis Diepholz (05.12.11)
Kreszentia Flauger stellt eine Anfrage an die Landesregierung, mit der sie die Verantwortlichen in der Politik dazu bringen will,
einmal genauer auf das Geschehen in Diepholz zu schauen: Nachdem in Diepholz und Sulingen in den letzten Jahren die beiden
Geburtshilfeabteilungen geschlossen worden sind, will der St. Ansgar Klinikverbund zum Ende des Jahres nun auch die letzte im
Landkreis zur Verfügung stehende Geburtshilfestation im Klinikum Bassum dichtmachen. Die dort beschäftigten Hebammen
schlagen Alarm, auch die Bevölkerung wehrt sich mit Protestaktionen und einer Petition gegen diese Entscheidung,
doch bisher scheint der Weg unausweichlich: Die Klinikleitung begründet das Vorhaben mit dem Hinweis darauf,
es stünden zu wenig Ärzte zur Verfügung, um die Geburtshilfestation erhalten zu können. Ein von einer
fachkundigen Unternehmensberatung entworfenes Konzept sähe vor, genau dieses Problem in Angriff zu nehmen,
doch die Klinikleitung wolle von dieser Lösungsvariante, welche die Hebammen in Eigeninitiative und auf eigene Kosten angestoßen haben, nichts wissen.
Weil bis vor einigen Wochen noch zugesichert worden sein soll, man würde die Station nicht schließen,
sondern stattdessen sogar ausbauen und die MitarbeiterInnen, die derzeit im Belegsystem arbeiten,
fest anstellen, fühlen sich die Hebammen getäuscht. Pikant ist auch die Frage nach den Geldern,
die vom Landkreis an das Unternehmen Alexianer GmbH für den Ausbau und die Erweiterung der
Geburtshilfeabteilung bewilligt worden sein sollen. Sollten andere Kliniken diesem Beispiel
folgen und die wenig gewinnträchtigen Geburtsabteilungen abstoßen, könnte eine besorgniserregende
Entwicklung in Gang kommen und bald ganze Landkreise ohne Geburtenbetreuung sein.
„Am drängendsten erscheint uns daher die Frage nach der zukünftigen Versorgung mit Geburtshilfe“,
fasst Kreszentia Flauger ihre Anfrage zusammen, „denn im gesamten Landkreis werden nun nicht nur die
freiberuflichen Hebammen aufgrund ihrer unzumutbaren Arbeits- und Lohnbedingungen immer weniger,
sondern auch die Option der Klinikgeburt wird für viele Frauen zu einem großen Problem.
Lange Anfahrtswege und fehlende Ansprechpartner sind gerade in dem sensiblen Bereich der
Geburtshilfe, wo es manchmal einfach schnell gehen muss, nicht nur ein Hindernis,
sondern sogar eine Gefahr für Leib und Leben von Mutter und Kind.“
Flauger hofft, dass die Landesregierung zu dem Problem Stellung nimmt und
vermittelnd interveniert: „Da muss Einfluss geltend gemacht werden, denn die
zunehmenden Privatisierungen im Gesundheitsbereich entlassen die Politik nicht
aus ihrer Verantwortung, für eine flächendeckende medizinische und
geburtsbegleitende Versorgung der Schwangeren und Gebärenden zu sorgen.“
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