Zur Antwort der Landesregierung auf die Anfrage „Was unternimmt die Landesregierung zur Sicherstellung der Flächenversorgung mit Hebammen in Niedersachsen?" (08.08.11)
Offenbar fühlt sich die Landesregierung nicht zuständig für den
drohenden und teilweise bereits bestehenden Versorgungsmangel an
Hebammen in Niedersachsen, auch nicht für die zunehmenden Existenznöte
der Hebammen, die durch massive Haftpflichtprämienerhöhungen in große Not geraten sind.
Dies zeigt die Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Patrick Humke und
Kreszentia Flauger, die um Informationen zur Situation der Hebammen in
Niedersachsen und über die Versorgung schwangerer Frauen im Land mit
Hebammenhilfe gebeten hatten.
So legte die Landesregierung nur unzureichende Zahlen vor und verwies
überdies auf ein noch nicht fertiggestelltes Gutachten, dessen Ergebnisse erst
im Dezember 2011 erwartet werden. Obgleich die wenigen vorliegenden Zahlen
eine andere Sprache sprechen, behauptet die Landesregierung, Hinweise zu
Lücken in der Hebammenversorgung seien nach Angaben der Krankenkassenverbände
nicht bekannt. Auch bei der Frage, wie viele selbstständige Hebammen seit
Juli letzten Jahres ihre Tätigkeit haben aufgeben müssen, verwies die
Regierung auf noch nicht vorliegende Daten. In der Pflicht sieht sich die
Landesregierung hierbei in keiner Weise: Die Verhandlungen über Leistungsentgelte
von Hebammen würden ausschließlich von der Vertragspartnern Krankenkassenverbände und
Hebammenverbände geführt. Dass dabei die Hebammen auf der Strecke bleiben –
und mit ihnen auch die Frauen, die nicht mehr ausreichend versorgt werden
können oder denen die Wahlmöglichkeit des Geburtsortes aufgrund der Umstände
genommen wird – blieb unkommentiert von der Landespolitik, die in diesem
Konflikt durchaus mit politischen Mitteln Einfluss nehmen könnte.
„Die seit einiger Zeit bekannte Gefährdung des gesamten Berufsstandes durch viel
zu niedrige Entlohnung für die erbrachten Leistungen und astronomisch gestiegene
Haftpflichtbeiträge für Hausgeburten wird von der Landesregierung ignoriert“,
erklärte Kreszentia Flauger, die nicht verstehen kann, warum sich die Landesregierung
nicht zuständig sieht, den schwangeren Frauen im Land eine flächendeckende
Hebammenversorgung sicherzustellen und für die Hebammen eine spürbare finanzielle
Entlastung durchzusetzen. „Die Scheinargumente des Gesundheitsministeriums,
es sei alles in Ordnung und / oder an gewissen Entscheidungsprozessen sei
die Politik nicht beteiligt, ist ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen,
die bei der Geburtsvorbereitung, der Geburt selbst oder der Nachsorge
quantitative und qualitative Einbußen hinzunehmen haben. Für die Hebammen
selbst, die – eine nach der anderen – ihre Praxis schließen müssen, weil sie
finanziell nicht mehr über die Runden kommen, obwohl sie hoch qualifiziert
und gesellschaftlich von großer Bedeutung sind, sind Aussagen,
wie sie in dieser Antwort zu finden sind, der blanke Hohn.“
>>> Zur Anfrage der LINKEN
>>> Zur Antwort der Landesregierung