Kreszentia Flauger im Gespräch mit Wildwasser und dem Frauenhaus Oldenburg (15.02.11)

Oldenburg. Mehr über die Aktivitäten und auch die Sorgen vor Ort zu erfahren – das war das Ziel der Fraktionsvorsitzenden Kreszentia Flauger, als sie sich mit Rita Schilling von Wildwasser Oldenburg e.V. und Anja Kröber vom Autonomen Frauenhaus (Oldenburg) am vergangenen Mittwoch zu einem ausführlichen Gespräch traf. Flauger erfuhr in dieser Unterhaltung viel über die Gestaltung und die Inhalte der Arbeit, die diese beiden Institutionen Tag für Tag leisten. Auch lag es ihr am Herzen, die Mitarbeiterinnen wissen zu lassen, dass sie sich jederzeit auf politischer Ebene als Fürsprecherin der Beratungsstellen einsetzt und deren Interessen gern in die parlamentarische Arbeit einbringt.

Das Autonome Frauenhaus ist eine Anlaufstelle für Frauen und Kinder, die Gewalt erfahren haben und einen Ausweg aus dem häuslichen Elend suchen. Es bietet Sicherheit und Schutz, die Möglichkeit einer Bleibe und Unterstützung in verschiedenster Form an. In dem hellen und freundlichen Haus stehen derzeit 24 Plätze für Frauen und Kinder zur Verfügung, von denen die Landesregierung allerdings nur acht der Frauenplätze fördert. Die Mitarbeiterinnen begleiten die Bewohnerinnen auf Wunsch zu Behörden, ÄrztInnen, RechtsanwältInnen oder Gerichtsterminen. Frauen werden bei der Wohnungssuche und finanziellen Absicherung sowie aufenthaltsrechtlichen Belangen unterstützt, bis sie dazu in der Lage sind, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die Hilfe ist vielfältig und umfasst neben Beratung, Begleitung und Krisenintervention auch Kinderbetreuung.

Wildwasser ist eine Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt, die von betroffenen Mädchen und Frauen Beratung und Hilfe, aber auch Bezugspersonen professionelle Unterstützung bietet. Die Beratungen finden telefonisch oder persönlich, auf Wunsch auch anonym, statt. Weitere Angebote von Wildwasser sind eine umfassende Präventionsarbeit, Aufklärungs- und Bildungsarbeit sowie Workshops und Kurse, beispielsweise Selbstverteidigung für Mädchen.

Beide Institutionen sind zumeist die erste Anlaufstelle für Mädchen oder Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Sie ebnen den Weg in ein Leben ohne Gewalt und leisten sowohl psychologische als auch praktische Hilfe. Ihr gesellschaftlicher Beitrag kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Nichtsdestoweniger leiden die beiden Oldenburger Einrichtungen wie die meisten sozialen Institutionen auf Grund knapper Mittel und daraus resultierender personeller und anderer Engpässe unter eingeschränkten Möglichkeiten: Gelder für benötigte Zusatzqualifikationen, für anständig bezahlte Vollzeitarbeitsplätze oder die Ausstattung fehlen an allen Ecken und Enden. Das schränkt die Handlungsfähigkeit dieser wertvollen und notwendigen Institutionen unnötig ein. Können die Mitarbeiterinnen nicht bezahlt werden, kann beispielsweise das Frauenhaus weniger Frauen und Kinder aufnehmen, obwohl der Platz vorhanden wäre. Die Mittelknappheit bedroht in letzter Konsequenz die gesamte Existenz der Einrichtung, vor allem, wenn Mitarbeiterinnen entlassen werden oder Häuser sogar schließen müssen.

Die Politik könnte dem abhelfen, etwa indem angemessene Förderrichtlinien für Beratungsstellen und Frauenhäuser festgelegt, die Institutionen in Entscheidungsprozesse einbezogen und etwa das Recht auf einen Platz im Frauenhaus für jede Frau verbindlich im Gesetz verankert würden.

Die Informationen, die Kreszentia Flauger über die Arbeit vom Frauenhaus und der Beratungsstelle Wildwasser bekommen hat, waren vielseitig, sodass die Politikerin sich ein gutes Bild von der täglichen Arbeit machen konnte. Aber auch die Probleme und Nöte, die mit stagnierenden oder gekürzten Mitteln einhergehen fanden genug Raum, um ausführlich besprochen zu werden.

Flauger informierte ihre Gesprächspartnerinnen über die Möglichkeit, für einmalige Projekte eine Spende aus dem Topf des Vereines „Minna Fasshauer“ zu erhalten, in den die Abgeordneten der Linksfraktion allmonatlich ihre Diätenerhöhungen einzahlen. Zudem wurden politische Möglichkeiten besprochen, die eine Verbesserung der Situation für die Einrichtungen bewirken könnten. Ein erster Schritt soll eine Anfrage an die Landesregierung sein, die Kreszentia Flauger zur gegenwärtigen Lage der sozialen und beratenden Institutionen in Niedersachsen und zur Verteilung der zur Verfügung gestellten Gelder stellen wird. Flauger sagte Wildwasser und dem Frauenhaus Oldenburg ihre volle Unterstützung zu.

„Was diese Anlaufstellen – und insbesondere die dort beschäftigten Mitarbeiterinnen – leisten, ist bemerkenswert“, fasst Flauger ihren Eindruck zusammen. „Es darf überhaupt nicht in Frage gestellt werden: Diesen Einrichtungen, die für Frauen und Mädchen, die (sexualisierte) Gewalt erfahren müssen, oft die letzte Rettung sind, müssen ausreichend Gelder zur Verfügung gestellt werden, damit sie auch zukünftig ihre wertvolle und wichtige Arbeit leisten können. Wege dahin dürfen nicht zerredet oder vom Tisch gewischt, sondern müssen um jeden Preis gefunden werden.“

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Foto: Wildwasser Oldenburg