Lehrerbewerbungen an Integrierten Gesamtschulen – fehlende Statistiken und fragliche Interpretationen (16.12.09)

Hannover: Kreszentia Flauger hat die Landesregierung in einer Anfrage zu einem Vergleich der einzelnen Schulformen in Bezug auf Bewerbungszahlen und Versetzungsgesuche von Lehrerinnen und Lehrern aufgefordert. Die jüngst erhaltene Antwort brachte jedoch wenig Aufklärung, da nach Aussage der Regierung die angefragten Statistiken nicht erhoben würden. Eine deutliche Präferenz unter den Lehrerinnen und Lehrern für einen Job an einer Gesamtschulen sei allerdings, so die Regierung, trotz fehlenden empirischen Materials eindeutig zu widerlegen. Als Begründung dafür führte die Landesregierung an, dass keine einzige Lehrkraft sich zum Schuljahresbeginn 2009 / 2010 durch den Ausschluss aller anderen Schulformen ausschließlich für Integrierte Gesamtschulen beworben habe. Andererseits hätten jedoch 22 % der Bewerberinnen und Bewerber mit dem Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen und 20 % der Lehrkräfte mit dem Lehramt an Gymnasien einen Einsatz an Integrierten Gesamtschulen für sich ausgeschlossen. Die Landtagsfraktionsvorsitzende Flauger stellt diese Art der Interpretation, verbunden mit nicht erhobenem Zahlenmaterial, in Frage.
Gespräche, die sie mit Schulleitungen und Lehrerinnen und Lehrern geführt habe, wiesen darauf hin, dass bereits jetzt auf dem pädagogischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ein Ungleichgewicht bestünde. Es gäbe, wie Rektorinnen und Rektoren an die Landtagsfraktionsvorsitzende herangetragen hätten, weit mehr Lehrerinnen und Lehrer, die an einer IGS arbeiten wollen, als Stellen vorhanden sind. Zahlreiche Pädagoginnen und Pädagogen schätzten das schülerfreundliche Konzept des gemeinsamen Lernens.
„Diesen Experten, die tagtäglich mit unseren Kindern und Jugendlichen umgehen, sind die Gründe bekannt, die für Integrierte Gesamtschulen und gegen das gegliederte Schulsystem sprechen“, erklärte Flauger. “Sowohl ihre Ausbildung als auch ihre Praxiserfahrungen haben vielen Lehrern gezeigt, welche menschlichen, didaktischen und pädagogischen Vorteile diese Schulform sowohl für Lehrerinnen und Lehrer als auch für Schülerinnen und Schüler bietet. Dass viele Lehrerinnen und Lehrer bei der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt möglichst wenige Schulformen für sich ausschließen, um größere Einstellungschancen zu haben, ist – im Gegensatz zu dem Bewerbungsboom an Integrierten Gesamtschulen – kein Indiz für ihre jeweilige Wunschschulform.“