Landesregierung muss Jugendhaftanstalt für
junge Frauen einrichten –
Betroffene haben derzeit schlechte Perspektiven (Christian Degener, 20.07.2011)
Hannover. DIE LINKE im Landtag hat kritisiert, dass es in
Niedersachsen keine gesonderte Haftanstalt für junge Frauen gibt.
„Auch wenn junge Frauen deutlich weniger straffällig werden als
gleichaltrige Männer, passiert es doch nicht erst seit gestern,
dass auch sie zu Haftstrafen verurteilt werden“, sagte Kreszentia Flauger,
die Vorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Fraktion.
Sie verwies darauf, dass es eine solche Einrichtung für junge Männer in Hameln gibt.
Flauger forderte die Landesregierung auf, umgehend eine Jugendhaftanstalt für
Frauen einzurichten. „Das ist eine interdisziplinäre Aufgabe zwischen den
Ministerien für Justiz, Kultus und Soziales. Schließlich geht es darum,
den jungen Frauen mit geeigneten pädagogischen Angeboten eine
Perspektive für die Zeit nach dem Gefängnis zu ermöglichen“, sagte Flauger.
Es gebe kein Argument, dies den betroffenen Frauen vorzuenthalten.
In der jetzigen Situation hätten die jungen Frauen mangelhafte Optionen für die
Schul- und Ausbildung. Gravierend sei außerdem ihre Benachteiligung durch den
rauen Alltag, der in Gefängnissen für Erwachsene herrsche. „Die Gefahr ist groß,
in den Teufelskreis einer Knastkarriere zu geraten“, so Flauger. Dabei müsse die
Gesellschaft daran interessiert sein, dass die frühe Haftstrafe einer jungen
Frau auch ihre letzte bleibe.